Wärmepumpe, PV oder beides: Was kostet die Modernisierung?

Wer sein Haus saniert, steht früher oder später vor derselben Frage: Lohnt sich eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage oder gleich beides? Die Antwort hängt vom Gebäude, vom Eigenverbrauch und nicht zuletzt vom Budget ab. Die Preisspannen sind erheblich, und pauschale Aussagen helfen selten weiter. Deshalb folgen hier konkrete Zahlen aus der Praxis.

Was eine Wärmepumpe wirklich kostet

Die Gesamtkosten einer Wärmepumpe setzen sich aus Gerät, Installation, Erschließung der Wärmequelle und eventuellen Umbauarbeiten am Heizsystem zusammen. Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem typischen Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche liegen die Gesamtkosten meist zwischen 18.000 und 28.000 Euro. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdkollektor oder Tiefenbohrung sind teurer: 25.000 bis 40.000 Euro sind realistisch, wobei allein die Bohrung je nach Geologie zwischen 6.000 und 15.000 Euro kosten kann.

Dazu kommen laufende Kosten. Eine Wärmepumpe mit einem Stromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr verursacht bei einem Arbeitspreis von 32 Cent je kWh rund 1.280 Euro Stromkosten. Wie hoch der tatsächliche Verbrauch ausfällt, bestimmt die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ). Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen unter realen Bedingungen eine JAZ zwischen 2,8 und 3,8, Sole-Wasser-Geräte häufig zwischen 3,5 und 4,5. Je höher der Wert, desto günstiger der Betrieb.

Ein oft unterschätzter Posten: die Hydraulik. Wer von einer alten Hochtemperatur-Heizung umsteigt, muss in vielen Fällen Heizkörper gegen Flächenheizungen austauschen oder zumindest übergroße Radiatoren nachrüsten. Das kann weitere 5.000 bis 10.000 Euro kosten.

Förderung: Was Bund und Länder übernehmen

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist der wichtigste Hebel. Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können Eigentümer einen Grundzuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten. Mit dem Effizienz-Bonus für besonders effiziente Wärmepumpen und dem Einkommensbonus für Haushalte unter 40.000 Euro Jahreseinkommen steigt der Fördersatz auf bis zu 70 Prozent. Förderfähig sind maximal 30.000 Euro an Investitionskosten für das erste Wohngebäude, also höchstens 21.000 Euro Zuschuss. Wer diese Förderung nutzen will, muss den Antrag vor Auftragserteilung stellen.

Für konkrete Fragen zum Ablauf und zur Technik lohnt sich eine spezialisierte Beratung zur Wärmepumpe, die Angebot, Förderstrategie und Auslegung zusammen betrachtet und nicht getrennt voneinander. Viele Fehler bei der Dimensionierung entstehen genau dann, wenn diese drei Punkte nicht aufeinander abgestimmt werden.

Photovoltaik: Anschaffung, Ertrag und Amortisation

Eine Photovoltaikanlage mit 10 Kilowattpeak (kWp) kostet heute inklusive Montage und Wechselrichter zwischen 12.000 und 18.000 Euro. Der Preis je installiertem kWp liegt je nach Anbieter und Region zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Ein Stromspeicher mit 10 kWh Kapazität schlägt mit weiteren 6.000 bis 10.000 Euro zu Buche.

Der Ertrag hängt vom Standort, der Dachausrichtung und dem Neigungswinkel ab. In Süddeutschland sind bei optimaler Ausrichtung rund 1.000 kWh pro installiertem kWp und Jahr realistisch, in Norddeutschland eher 850 bis 900 kWh. Eine 10-kWp-Anlage liefert also 8.500 bis 10.000 kWh jährlich. Der Photovoltaik-Artikel auf Wikipedia gibt einen guten Überblick über die Funktionsweise und physikalischen Grundlagen.

Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz beträgt für Anlagen bis 10 kWp aktuell rund 8 Cent je kWh eingespeistem Strom. Wer dagegen Strom selbst verbraucht und damit den Zukauf zu 32 Cent je kWh ersetzt, erzielt rechnerisch den vierfachen Nutzen. Die Amortisationszeit liegt ohne Speicher typischerweise bei 10 bis 14 Jahren, mit Speicher bei 13 bis 18 Jahren.

Kombination: Synergie oder doppelter Aufwand?

Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik ergibt rechnerisch dann den größten Sinn, wenn die PV-Anlage tagsüber Strom liefert, den die Wärmepumpe direkt verbraucht. Das senkt die Betriebskosten der Wärmepumpe erheblich. Eine 10-kWp-Anlage kann in den Sommermonaten einen großen Teil des Wärmepumpenstroms decken, im Winter ist der Eigendeckungsgrad dagegen gering.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Haushalt mit 150 Quadratmetern, Luft-Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,2), 10-kWp-PV-Anlage, 10-kWh-Speicher. Investition gesamt: rund 48.000 Euro brutto. Nach BAFA-Förderung von angenommen 35 Prozent auf die Wärmepumpenkosten (24.000 Euro förderfähig) verbleiben netto etwa 39.600 Euro. Die jährliche Stromkostenersparnis durch Eigenverbrauch und reduzierten Heizbedarf liegt bei rund 1.800 bis 2.400 Euro, womit die Amortisation je nach Strompreisentwicklung in 16 bis 22 Jahren erreicht wird.

Welche Variante passt zu welcher Situation?

  • Nur Wärmepumpe: Sinnvoll, wenn das Dach ungeeignet ist (Schattenwurf, schlechte Ausrichtung, Sanierungsbedarf) oder das Budget begrenzt ist. Wärmepumpen lassen sich später um PV ergänzen.
  • Nur Photovoltaik: Sinnvoll, wenn die Heizung noch neuwertig ist oder das Gebäude schlecht gedämmt ist. Eine ungedämmte Hülle macht die Wärmepumpe unwirtschaftlich.
  • Kombination: Optimal bei gleichzeitigem Heizungsersatz und geeignetem Dach. Die Synergie ist real, der Planungsaufwand aber höher.

Dämmung als Voraussetzung, nicht als Option

Wer eine Wärmepumpe in einem schlecht gedämmten Altbau betreibt, zahlt dauerhaft zu viel. Eine Wärmepumpe arbeitet effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen, also maximal 45 bis 55 Grad Celsius. Das setzt voraus, dass das Gebäude den Wärmebedarf auch bei tiefen Außentemperaturen mit dieser Temperatur decken kann. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Gebäudebestand in Deutschland erhebliche Einsparpotenziale hat und eine Wärmepumpe allein ohne Dämmmaßnahmen dieses Potenzial nur zum Teil ausschöpft.

Wer also plant, sollte zunächst den Wärmebedarf des Gebäudes berechnen lassen. Ein Energieausweis liefert erste Anhaltspunkte, eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist präziser. Die Kosten dafür liegen zwischen 300 und 800 Euro, je nach Aufwand und Anbieter. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert eine unterdimensionierte oder überdimensionierte Anlage, beides kostet Geld.

Fazit: Die energetische Modernisierung ist kein Pauschalangebot. Wer die Investition richtig kalkuliert, Förderung konsequent ausschöpft und Gebäudehülle sowie Anlagentechnik aufeinander abstimmt, kann die Kosten deutlich senken und gleichzeitig langfristig niedrigere Betriebskosten erreichen.

Kommentar verfassen