Ab dem sechsten Monat beginnt für die meisten Familien eine neue Phase: Beikost. Und damit fast automatisch die Frage, ob man das Essen selbst zubereitet oder auf Fertiggläschen zurückgreift. Hinter dieser Entscheidung steckt mehr als Überzeugung oder Bequemlichkeit. Es geht auch ums Geld. Wie viel Beikost im ersten Jahr tatsächlich kostet, hängt stark von der gewählten Methode ab.
Was Fertiggläschen wirklich kosten
Ein Gläschen Gemüsebrei der gängigen Marken wie Hipp, Bebivita oder Alete kostet im Supermarkt zwischen 0,89 und 1,49 Euro. Bioprodukte liegen oft bei 1,20 bis 1,80 Euro pro Portion. Ein Baby im Alter von sechs bis zwölf Monaten isst in der Regel zwei bis drei Mahlzeiten Beikost täglich, wobei die Mengen zum Ende hin deutlich zunehmen.
Rechnet man konservativ mit zwei Gläschen pro Tag und einem Durchschnittspreis von 1,10 Euro, ergibt das rund 2,20 Euro täglich. Auf den Monat hochgerechnet sind das knapp 66 Euro, über sechs Monate also etwa 396 Euro. Wer überwiegend Bioware kauft oder drei Mahlzeiten täglich aus dem Gläschen gibt, landet schnell bei 500 bis 600 Euro allein für den Zeitraum von Monat sechs bis zwölf. Hinzu kommen Spezialprodukte wie Obstmus, Getreidebrei oder Milchmahlzeiten, die separat anfallen.
Selbst kochen: der echte Aufwand und die echten Kosten
Wer selbst kocht, kauft Rohware. Eine Portion Karottenbrei für ein Baby braucht etwa 100 bis 150 Gramm Karotten, etwas Kartoffel und Öl. Die Rohstoffkosten pro Portion liegen damit bei 15 bis 30 Cent, bei Bioprodukten bei 30 bis 50 Cent. Selbst wenn man täglich zwei Mahlzeiten selbst zubereitet, kommt man auf Materialkosten von 0,30 bis 1,00 Euro täglich.
Der entscheidende Faktor beim Selbstkochen ist die Chargengröße. Wer einmal pro Woche einen größeren Topf kocht, portioniert und einfriert, hält die Kosten gering und spart Zeit. Ein handelsübliches Eiswürfelbehälter-Set reicht für einen Wochenbedarf. Wer frisch und täglich kocht, braucht mehr Zutaten und Zeit, bleibt aber trotzdem deutlich günstiger als mit Gläschen.
Auf sechs Monate gerechnet landen Familien beim Selbstkochen mit Biozutaten bei rund 90 bis 150 Euro für Lebensmittel. Dazu kommen einmalige Anschaffungen: ein Stabmixer oder Dampfgarer, Gefrierboxen, eventuell ein Babykostmacher wie der Béaba Babycook. Letzterer kostet neu um die 100 Euro, ist aber auf diversen Plattformen gebraucht für 20 bis 40 Euro zu finden. Selbst mit diesen Anfangsinvestitionen bleibt das Selbstkochen günstiger.
Baby Led Weaning als dritte Option
Neben pürierter Beikost und Fertiggläschen hat sich in den letzten Jahren eine weitere Methode etabliert. Beim Baby Led Weaning bekommt das Kind von Anfang an weiche Stücke vom Familientisch, statt separatem Brei. Das verändert die Kostenkalkulation grundlegend, denn ein eigenes Babyessen entfällt weitgehend. Das Kind isst mit, was ohnehin auf dem Tisch steht.
Aus Kostensicht ist das die günstigste Variante, weil kaum Mehraufwand für separate Zubereitung entsteht. Die Mehrkosten durch etwas mehr Rohware sind vernachlässigbar. Allerdings setzt das voraus, dass die Familie selbst abwechslungsreich und salzarm kocht, was nicht immer der Alltag ist.
Direkter Kostenvergleich über sechs Monate
| Methode | Lebensmittelkosten | Einmalige Anschaffungen | Gesamt ca. |
|---|---|---|---|
| Fertiggläschen (konventionell) | 390 bis 500 Euro | gering (Löffel, Schüssel) | ca. 400 bis 510 Euro |
| Fertiggläschen (Bio) | 480 bis 620 Euro | gering | ca. 490 bis 630 Euro |
| Selbst kochen (konventionell) | 60 bis 90 Euro | 30 bis 120 Euro | ca. 90 bis 210 Euro |
| Selbst kochen (Bio) | 90 bis 150 Euro | 30 bis 120 Euro | ca. 120 bis 270 Euro |
| Baby Led Weaning | 10 bis 30 Euro Mehrkosten | minimal | ca. 20 bis 50 Euro |
Wo Gläschen trotzdem sinnvoll sind
Fertiggläschen haben ihren Platz, auch bei Familien, die grundsätzlich selbst kochen. Auf Reisen, bei Krankheit, in stressigen Phasen oder unterwegs sind sie praktisch. Wer Gläschen gezielt als Reserve hält und nicht als Dauerlösung, hält die Kosten überschaubar. Drei bis fünf Gläschen pro Woche als Ergänzung kosten monatlich rund 15 bis 25 Euro, was realistisch und tragbar ist.
Ein weiterer Punkt: Gläschen sind schadstoffkontrolliert und haben lange Haltbarkeiten. Für Eltern, die unsicher sind, ob selbst gekochtes Essen lange genug hält oder richtig eingefroren wurde, bieten sie Sicherheit. Dieser Wert lässt sich nicht direkt in Euro messen.
Was die Entscheidung wirklich beeinflusst
Rein rechnerisch gewinnt das Selbstkochen deutlich. Der Unterschied zwischen durchgängigem Gläschenkauf und selbst gekochtem Brei beträgt über sechs Monate leicht 250 bis 400 Euro. Das ist kein vernachlässigbarer Betrag, gerade in Phasen mit einem Elternteil in Elternzeit und reduziertem Haushaltseinkommen.
Trotzdem spielen Zeit und Alltagsorganisation eine reale Rolle. Wer wenig Kapazität hat, für wen Kochen Stress bedeutet oder wer oft unterwegs ist, wird Gläschen anders bewerten als jemand, der ohnehin täglich frisch kocht. Eine Mischlösung, bei der die meisten Mahlzeiten selbst zubereitet und Gläschen gezielt eingesetzt werden, ist für viele Familien der vernünftigste Mittelweg.
Wer die Entscheidung rein auf Basis der Kosten trifft, kommt an einer klaren Aussage nicht vorbei: Selbst kochen ist erheblich günstiger, auch wenn man Biozutaten und Anschaffungskosten einrechnet. Gläschen sind bequem, aber sie haben ihren Preis.


