Mathe bleibt das Schulfach, in dem am häufigsten Nachhilfe gesucht wird. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus 2023 erhält jedes fünfte Schulkind in Deutschland regelmäßig bezahlte Lernunterstützung, und Mathematik steht dabei mit weitem Abstand auf Platz eins. Was das Ganze kostet, hängt von der gewählten Form massiv ab. Private Einzelstunden, Nachhilfeinstitute, Online-Plattformen und Lern-Apps bewegen sich in völlig unterschiedlichen Preisregionen.
Private Einzelnachhilfe: Preis und Realität
Wer über Kleinanzeigenportale oder Schulaushänge einen Studenten als Nachhilfelehrer findet, zahlt 2026 in der Regel zwischen 15 und 30 Euro pro Unterrichtsstunde (60 Minuten). In Großstädten wie München, Frankfurt oder Hamburg liegt der Marktpreis eher bei 25 bis 35 Euro. Ausgebildete Lehramtsstudenten mit Mathe-Hauptfach verlangen oft 30 bis 45 Euro. Professionelle Nachhilfelehrer mit Staatsexamen oder jahrelanger Erfahrung können bis zu 70 oder 80 Euro aufrufen, das ist aber eher die Ausnahme.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis: Ein Schüler in der 9. Klasse Gymnasium erhält wöchentlich eine Stunde Einzelnachhilfe bei einem Lehramtsstudenten für 28 Euro. Über ein Schulhalbjahr (20 Wochen) summiert sich das auf 560 Euro. Klingt überschaubar, aber die meisten Eltern unterschätzen, wie lange Nachhilfe tatsächlich in Anspruch genommen wird. Zwei bis drei Halbjahre sind keine Seltenheit, was schnell über 1.000 Euro bedeutet.
Nachhilfeinstitute: Mehr Struktur, höherer Preis
Bekannte Anbieter wie Schülerhilfe, Nachhilfe-Institut oder Studienkreis bieten Kleingruppenunterricht mit zwei bis fünf Schülern an. Die Preise liegen hier üblicherweise zwischen 120 und 200 Euro pro Monat, je nach Region und Stundenzahl. Einzelunterricht in diesen Instituten kostet entsprechend mehr, oft 50 bis 75 Euro pro Stunde.
Der Vorteil: feste Strukturen, Vertretungsregelungen, pädagogisch geschultes Personal. Der Nachteil: Die Gruppe muss zum eigenen Lernstand passen, was nicht immer gewährleistet ist. Zudem binden viele Institute über Halbjahresverträge, ein vorzeitiger Ausstieg ist meistens kostenpflichtig oder kompliziert.
Online-Nachhilfe und Lernplattformen
Dieser Bereich hat sich seit 2020 stark entwickelt. Plattformen wie Sofatutor, Studyflix oder bettermarks bieten Videokurse, interaktive Aufgaben und in manchen Fällen Live-Tutoring an. Die Preise für reine Videokurs-Abos starten bei etwa 10 bis 20 Euro monatlich. Wer Live-Stunden dazubucht, zahlt je nach Plattform 20 bis 45 Euro pro Stunde.
Beim Thema Vorbereitung und eigenständigem Lernen hilft es, strukturiertes Begleitmaterial zur Hand zu haben. Eine gut aufgebaute Formelsammlung Mathe kann dabei den Einstieg in neue Themen deutlich erleichtern, weil Schüler nicht bei jeder Frage auf den Tutor angewiesen sind. Selbstständige Nacharbeit zwischen den Nachhilfestunden spart Unterrichtszeit und damit langfristig Geld.
Vollständig KI-gestützte Angebote wie Khan Academy (kostenlos) oder Photomath (kostenlos bis ca. 10 Euro monatlich für die Premiumversion) ergänzen das Spektrum. Photomath erkennt handgeschriebene Aufgaben per Smartphone-Kamera und zeigt den Lösungsweg Schritt für Schritt. Das ist für viele Schüler ein niedrigschwelliger Einstieg, ersetzt aber keine echte Lernbegleitung bei tiefergehenden Verständnisproblemen.
Apps und digitale Lernhilfen: Was leisten sie wirklich?
Der App-Markt für Mathe wächst. Neben Photomath gibt es GeoGebra (kostenlos, besonders stark in Geometrie und Analysis), Mathway (ca. 10 Euro monatlich) und Wolframalpha (ca. 7 Euro monatlich für Studenten). Diese Tools sind vor allem dann nützlich, wenn Schüler gezielt einzelne Aufgabentypen üben oder Lösungswege verstehen wollen.
- Photomath Premium: ca. 10 Euro/Monat, Lösungswege mit Erklärungen, auch für Abi-Level geeignet
- GeoGebra: kostenlos, besonders für Geometrie, Funktionen und Statistik
- Sofatutor Mathe-Abo: ab 15,99 Euro/Monat, Videos und interaktive Aufgaben nach Schuljahr geordnet
- bettermarks: ca. 14,99 Euro/Monat, adaptives Lernsystem, wird auch von Schulen eingesetzt
- Khan Academy: kostenlos, englischsprachig, sehr vollständig für Grundlagen bis Abiturniveau
Die ehrliche Einschätzung: Apps und Lernplattformen funktionieren gut für Schüler, die motiviert sind und einen konkreten Wissenslücken-Ansatz verfolgen. Bei grundlegenden Verständnisproblemen oder bei Schülern mit geringer Eigenmotivation reichen sie selten aus.
Kosten im direkten Vergleich
| Angebot | Kosten pro Monat (ca.) | Geeignet für |
|---|---|---|
| Privater Einzelunterricht (Student) | 80 bis 160 Euro | Alle Klassenstufen, individuell |
| Nachhilfeinstitut (Gruppe) | 120 bis 200 Euro | Regelmäßiger Bedarf, Struktur erwünscht |
| Online-Live-Tutoring | 80 bis 180 Euro | Flexibel, ortsunabhängig |
| Lernplattform (Abo) | 10 bis 20 Euro | Ergänzend, selbstständige Lerner |
| Lern-Apps | 0 bis 10 Euro | Aufgabentypen üben, Lösungswege verstehen |
Förderung und steuerliche Absetzbarkeit
Wer Leistungen aus dem Bildungspaket des Jobcenters bezieht, kann Lernförderung für Schüler beantragen. Die Förderung übernimmt in der Regel bis zu 135 Euro monatlich für anerkannte Anbieter. Privat organisierte Nachhilfe bei Studenten ist dabei oft nicht förderfähig, weil keine offizielle Rechnung mit Steuer-ID ausgestellt wird.
Steuerlich gilt: Nachhilfekosten lassen sich für Privatpersonen kaum absetzen, es sei denn, es handelt sich um eine außergewöhnliche Belastung oder die Kosten entstehen im Zusammenhang mit einer Berufsausbildung. Ein Steuerberater kann im Einzelfall klären, ob Sonderausgaben oder Ausbildungskosten geltend gemacht werden können.
Was wirklich zählt: Passung vor Preis
Die häufigste Fehlinvestition bei Nachhilfe: Eltern wählen das günstigste Angebot ohne Probestunde und merken nach zwei Monaten, dass Lehrer und Schüler nicht harmonieren. Gerade in Mathe hängt der Lernerfolg stark von der Fähigkeit des Tutors ab, Probleme auf verschiedene Weisen zu erklären. Eine Probestunde, auch wenn sie bezahlt wird, ist deshalb kein Luxus.
Wer flexibel und kostenbewusst vorgehen will, kombiniert am besten: eine Lern-App oder Plattform für das regelmäßige Üben plus eine monatliche oder zweiwöchentliche Einzelstunde für konkrete Fragen. Das kommt oft günstiger als wöchentliche Vollbetreuung und fördert gleichzeitig die Selbstständigkeit beim Lernen.


